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18/04/2017

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Die drei Datenträgersysteme haben bis heute große Vorteile und werden in wenigen Bereichen deswegen auch weiterhin eingesetzt. Die Medien sind in Schutzhüllen untergebracht. Magneten können ihnen wenig anhaben, denn für eine Veränderung der Daten müssen die Datenträger punktuell erhitzt werden, erst dann ist es mit einem Magneten möglich, Daten zu verändern. Das Auslesen passiert rein optisch. Und weil die Laufwerke hohe Zuverlässigkeit garantieren sollten, wurde nach dem Schreibvorgang noch einmal kontrolliert, ob alles geklappt hat. Das machte die Laufwerke allerdings teils sehr langsam. Für eine versprochene Haltbarkeit von 30 bis 50 Jahren musste der Anwender hinnehmen, dass eine MO erst einmal gelöscht, dann beschrieben und dann kontrolliert werden musste. Nur mit Direct-Overwrite oder auch Limdow genannte Medien sparten den ersten Durchgang.

Manch einer wagte es, seine Daten Iomega-Technik oder anderen Wechselplattenformaten statt optischen Systemen anzuvertrauen. Gerade Iomega prägte damals den Click of Death bei den zwischenzeitlich beliebten Zip-Laufwerken. Clik!- und die gar nicht mal so alten Rev-Laufwerke hatten sich nicht gut verbreitet. Und dann gab es noch Syquest, das eine Konkurrenz zu Iomegas Jaz-Laufwerken aufbauen wollte. Das probierte auch Castlewood Systems mit dem ORB-Drive. Einige dieser Formate sind mit Festplatten verwandt, nur dass die Platten nicht in einem geschlossenen Gehäuse untergebracht sind. Das machte die Medien sehr anfällig für Staub, der zwischen Platte und Schreib-/Lesekopf geraten konnte.

Zuverlässige Archivmedien sind selten geworden. Sony hat die Professional Disc for Data (PDD) schon vor sieben Jahren eingestellt. Das war eine archivfähige Blu-ray-Variante, die in einem Caddy geschützt wurde. Die DVD-RAM hat kaum noch Bedeutung, auch hier war ein Caddy völlig normal. Zudem besteht bei einigen DVD-RAM-Kombinationen Verletzungsgefahr. DVD-RAM-Laufwerke konnten immerhin noch alte PD-Medien mit Caddy lesen. Allerdings war die DVD-RAM2 nicht in allen Laufwerken lesbar. Die HD-DVD-RAM hat es trotz ihres Potenzials nie auf den Markt geschafft. Wir haben auf einer Internationalen Funkausstellung aber immerhin einmal ein Medium mit sichtbaren Sektoren gesehen - ohne Caddy.

Ein Exot ist Plasmons UDO-Technik, die mit der Blu-ray wegen des blauen Lasers gewissermaßen verwandt ist und eigentlich professionelle 5,25-Zoll-MOs beerben sollte. Der Hersteller geriet allerdings zwischenzeitlich in finanzielle Not und wurde von Alliance Storage Technologies (ASTI) gerettet. Jetzt wird zwar noch die zweite UDO-Generation mit 60 GByte Kapazität (doppelseitig) verkauft, allerdings lassen die dritte und vierte Generation auf sich warten. Seit 2007 ist beim UDO-Format nichts passiert. ASTI unterstützt sogar noch die alten optischen 12-Zoll-Datenträger. Selbst in Auktionshäusern ist die Technik selten, man findet aber noch Medien wie Sonys WORM-Disk WDM6DA0. Wir haben im Rahmen der Recherchen nicht herausgefunden, ob diese mit den damals seltenen 11,8-Zoll-Laserdiscs verwandt waren, die in Varianten teils mit Caddy (Sonys LVR-6000) auch beschrieben werden konnten. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf Laserdiscs und dergleichen näher einzugehen. Eine Übersicht über analoge Bildplattensysteme wie die Laserdisc bietet Elmar Dünßer - wie es sich damals gehörte, in schönstem frame-basierten HTML-Design.

Neben diesen nahezu verschwundenen optischen Archivsystemen haben sich in den vergangenen Jahren noch andere Systeme als Alternative im professionellen Bereich mehr oder weniger etabliert. Auch hier gab es vormals eine große Vielfalt, die über die Jahre immer kleiner wurde. Übrig geblieben ist bei den Bändern etwa die LTO-Technik, die Ende 2012 als LTO-6-Generation auf den Markt kam. Auch die sollen Lebenszeiten von 30 Jahren erreichen, doch die Laufwerke sind mit fast 3.000 Euro selbst für ambitionierte Anwender oder Fotografen viel zu teuer. Zudem sind LTO-Laufwerke nur zwei Generationen rückwärtskompatibel. MO und MD wurden hingegen auf Kompatibilität hin designt. Ein 2,3-GByte-MO-Laufwerk kann problemlos 230-MByte-Medien der zweiten Generation lesen und ein Hi-MD-Laufwerk liest natürlich auch alte 60-Minuten-MDs noch.

Die kleine 3,5-Zoll-MO... (Bild: Nina Sebayang/Golem.de) Die kleine 3,5-Zoll-MO... (Bild: Nina Sebayang/Golem.de) Mitunter werden Daten auf Archival-Grade-Medien untergebracht. Dazu gehören etwa auch 2,5-Zoll-Festplatten, die in RDX-Gehäusen stecken und derzeit maximal 1 TByte Speicherkapazität bieten. RDX-Medien sollen mehr als 30 Jahre lang halten. Allerdings nur bei entsprechend kontrollierter und wohltemperierter Lagerung (PDF). Selbst dann muss prinzipbedingt mit Ausfällen, beispielsweise beim Kugellager, gerechnet werden. Trotzdem: Mehr als einen Meter dürfen die RDX-Medien nicht fallen. Die leichten MOs oder MDs können deutlich mehr vertragen. Es gehörte sogar dazu, beim Wechsel einer MD im portablen Player das Medium mal fallen zu lassen. In die Marktlücke der günstigen Archivmedien versucht eine teure DVD zu stoßen, aber auch nur mit bescheidenem Erfolg. Von der M-Disc, die angeblich 1.000 Jahre halten soll, hört man nur wenig. Es gibt sie aber immerhin zu kaufen. Es scheint, als hätten Anwender kein Interesse an der Archivierung für die Enkelkinder, was zumindest irgendwann erneut Probleme mit den schreibenden Laufwerken mit sich bringen könnte, wenn sich damit kein Geld verdienen lässt. Immerhin kann die M-Disc in ganz normalen DVD-Laufwerken gelesen werden.

Bleiben noch Flash-Speicher, denen nicht die beste Haltbarkeit nachsagt wird, was aber sicher auch an vielen billig produzierten USB-Sticks liegt. Sandisks Memory Vault soll immerhin 100 Jahre überstehen. Die aktuell angebotene Kapazität von 8 oder 16 GByte reicht aber nicht einmal, um die Fotosammlung eines Urlaubs zu sichern. Auch auf Nachfrage konnte uns Sandisk auf der vergangenen Internationalen Funkausstellung nicht sagen, ob es einmal größere Medien geben wird.Vom technischen Standpunkt her ist das Verschwinden der magneto-optischen Technik schade. Ihre Langlebigkeit und nahezu beliebige Wiederbeschreibbarkeit zollten Kenner sowohl im Audio- als auch im IT-Bereich Anerkennung. Allerdings wurde die Technik irgendwann nicht mehr weiterentwickelt. Sony und Fujitsu hatten beispielsweise Pläne, auf Blaue-Laser-Technik umzustellen und so deutliche Kapazitätssteigerungen bei MOs zu ermöglichen. Das wäre sicher auch mit der verwandten Minidisc möglich gewesen, die so schön handlich und robust ist. Verwirklicht wurde das nie.

Gegen die magneto-optische Technik sprach immer die komplizierte Technik, die billige Laufwerke unmöglich machte und zu dem Preis führte, der vielen Kunden zu hoch war. Da half auch das Argument nicht, dass die Medien 30 Jahre und mehr durchhalten würden, um den Anwender davon zu überzeugen, mehr Geld auszugeben - auch wenn die Technik in den vergangenen 20 Jahren bewiesen hat, dass sie ihr Geld wert war.Schon damals war absehbar, dass die Caddys nur im professionellen Umfeld gebraucht werden. Deswegen konnten die Medien bei einigen Caddys herausgenommen werden. (Bild: Nina Sebayang/Golem.de) Schon damals war absehbar, dass die Caddys nur im professionellen Umfeld gebraucht werden. Deswegen konnten die Medien bei einigen Caddys herausgenommen werden. (Bild: Nina Sebayang/Golem.de) Der Caddy und die aufwendigen Lademechanismen kosten nun einmal Geld und sind sicher auch ein Grund dafür, dass erst die Daten-CD und später auch die DVD-RAM sowie beschreibbare Blu-rays ohne Schutzhülle benutzt wurden. Und ein weiterer Grund sprach gegen die MO-Technik: Sie ist beim Beschreiben prinzipbedingt sehr langsam. Beim Lesen waren die Laufwerke auch nicht besonders fix. Fujitsus Dynamo 2300U2 (PDF-Datenblatt) erreichte höchstens 8,5 MByte/s (2,3 GByte Gigamo). Schreibwerte gab Fujitsu lieber gar nicht an. Wir können leider nur Werte unseres Gigamo-Laufwerks der ersten Generation nennen: Bei einem 1,3-GByte-Medium erreichen wir 4 bis 5 MByte/s lesend und quälend langsame 650 KByte/s schreibend.

CDs erreichten schon Ende der 1990er Jahre atemberaubende Geschwindigkeiten. 1999 berichteten wir von Kenwoods fast schon vergessener Multi-Beam-Technik namens TrueX. In der Anfangszeit von Golem.de waren CD-Datenraten von fast 8 MByte/s (52fach) bereits möglich und CDs konnten immerhin mit 8facher Geschwindigkeit gebrannt werden, was etwa 1,2 MByte/s entsprach. Dafür wurden in dieser Zeit Medien häufiger verbrannt. Weit verbreitet war der sogenannte Buffer-Underrun, bei dem beim Brennvorgang die Daten nicht schnell genug zum Laser kamen. Dagegen wurden Schutzmechanismen in die Firmware der Brenner späterer Generationen eingebaut, die sich früher qualitativ noch stark voneinander unterschieden. Manch ein Anwender klagt zudem, dass seine CDs aus der Anfangszeit der Brenner trotz erfolgreichem Brennvorgang jetzt nicht mehr lesbar sind. Nicht selten wurden zu billige Rohlinge aus dem Supermarkt genutzt. Die MO-Technik hatte all diese Probleme nie. Auch dass der eine Brenner bestimmte Rohlinge besser beschreiben kann als ein anderer, ist ein Phänomen, das der MO- und MD-Technik fremd ist.

Sonys Minidisc und die MO-Disk haben jeweils über 20 Jahre Lebenszeit erreicht. In der Zwischenzeit wurden viele Techniken eingeführt und wieder abgeschafft. Die MDs waren indirekt mit ISA-, Vesa-Local- und PCI-Bus verbunden und arbeiteten in Rechnern, die mit seriellen-, PS/2- und USB-Mäusen bedient wurden. Parallele Drucker und SCSI-Scanner verschwanden, von externem SCSI wurde zu USB (MO und MD) und Firewire (nur MO) gewechselt.Das Archivierungsversprechen der Hersteller werden beide Techniken dennoch kaum erreichen. Denn die große Schwachstelle der Technik sind die Laufwerke, und die wird es bald nicht mehr geben. Ein Nachbau in Kleinserie wäre viel zu teuer. Ausgerechnet die 3,5-Zoll-Floppy-Disk mit 1,44 MByte hat dieses Problem nicht. Wer in seinem Keller ein gut erhaltenes Medium mit Maniac Mansion findet, geht einfach zum gut sortierten Elektronikmarkt und kauft sich ein nagelneues Floppy-Laufwerk - und zwar mit USB-Anschluss!

  1. http://support.viralsmods.com/blog/main/2190338/
  2. http://www.mywedding.com/retrouve3/blog.html
  3. http://davydenko.jugem.jp/

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